Erfolgreiche landwirtschaftliche Genossenschaften

12.05.2011

Im Jahr 2010 konnten alle Sparten landwirtschaftlicher Genossenschaften in Rheinland und Westfalen steigende Umsatzerlöse melden. Das berichtete Hans Pfeifer, Vorstandsvorsitzender des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbandes (RWGV)/Münster, anlässlich des Pressegesprächs des Verbandes in Münster. Die 171 Unternehmen verzeichnen ein entsprechendes Wachstum von zwölf Prozent auf 18,2 Milliarden Euro. „Die erfolgreiche Entwicklung der landwirtschaftlichen Genossenschaften – wie aller Genossenschaften in Rheinland und Westfalen – rechtfertigt das Vertrauen von drei Millionen Genossenschaftsmitgliedern in ihre Unternehmen“, so Pfeifer.

Bezugs- und Absatzgenossenschaften

Die Bezugs- und Absatzgenossenschaften profitierten bei ihrer Umsatzausweitung von 3,5 Prozent vor allem von gestiegenen Brenn- und Treibstoffpreisen. Hier wurden 672 Millionen Euro umgesetzt, im Vorjahr waren es 606 Millionen Euro (plus 11 Prozent). Ebenfalls preisbedingt nahm der Umsatz mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen um 4,8 Prozent oder 16 Millionen Euro auf 346 Millionen Euro zu. „Angesichts der extremen Wetterbedingungen im letzten Jahr waren die geernteten Qualitäten besser als befürchtet“, so Pfeifer. „Die laufenden Ernteprognosen für dieses Jahr zeichnen allerdings kein deutlich anderes Bild.“ Bei unverändert hohen Preisniveaus geht der Rheinisch-Westfälische Genossenschaftsverband in diesem Bereich für 2011 von mindestens gleich bleibenden wertmäßigen Umsätzen aus, sofern sich nicht die massive Trockenheit der letzten Wochen drastisch negativ auf die zu vermarktenden Mengen auswirkt.

Der rückläufige Umsatz bei Futtermitteln von 4,3 Prozent auf 464 Millionen Euro bis zur Jahresmitte 2010 war vor allem preisbedingt. Bei anziehenden Rohstoffmärkten, insbesondere im dritten und vierten Quartal, war insgesamt zum Jahresende ein Umsatzplus von 4,1 Prozent zu verzeichnen.

Die Einzelhandelsumsätze stiegen weiter kontinuierlich: 175 Millionen Euro setzten die Bezugs- und Absatzgenossenschaften mit ihren Märkten im ländlichen Raum um (plus 5,4 Prozent). „Hier zeigt sich, dass fachkundige Beratung und ein hochwertiges Angebot überzeugende Argumente für die Kunden sind“, erläuterte Pfeifer.

Die Raiffeisen-Warengenossenschaften haben bei einem lebhaften Geschäft insbesondere im zweiten Halbjahr 2010 die Finanz- und Wirtschaftskrise hinter sich gelassen.

Stark schwankende Märkte haben derweil auch im vergangenen Jahr wieder Herausforderungen für das Risikomanagement nach sich gezogen, aber auch Marktchancen geboten. „Das haben unsere Warengenossenschaften genutzt: Sie haben in neue Märkte und Prozessoptimierungen investiert. Dies ist auch notwendig, da insbesondere höhere Preise für Energie die Logistikkosten nach oben treiben“, so Pfeifer. Aber auch im Einzelhandel sei auf der Kostenseite ein Preisauftrieb festzustellen. Pfeifer: „Eine gute wirtschaftliche Entwicklung ist die Voraussetzung, um diesen Entwicklungen erfolgreich zu begegnen.“

Vieh- und Fleischwirtschaft

„Im Vieh- und Fleischgeschäft sind wir weiter erfolgreich. Wir haben unseren Anteil an der Steigerung der tierischen Produktion gehalten“, so Pfeifer. Wurden im Vorjahr mit 5,6 Millionen Stück Vieh noch 690 Millionen Euro umgesetzt, waren es 2010 bei 6,3 Millionen Tieren 743 Millionen Euro.

Der Konzentrationsprozess in der Vieh- und Fleischbranche schreitet weiter fort. Hans Pfeifer: „Auch im Verbandsgebiet des RWGVs erhöht sich dadurch der Wettbewerb in den Vermarktungsstufen. Unsere genossenschaftlichen Unternehmen sind jedoch gut aufgestellt und vernetzt. Gerade in der Verarbeitung ist es wichtig, dass die Preissteigerungen im Vorleistungsbereich durch Preisanpassungen an den Lebensmitteleinzelhandel weitergegeben werden können.“

Milchwirtschaft

Mit einem Umsatz von 3,8 Milliarden Euro (plus 16,4 Prozent) profitierten die drei großen Molkereien in Rheinland und Westfalen vom gestiegenen Milchpreis. Die Molkereien im Verbandsgebiet konnten von der Steigerung der deutschen Milcherzeugung (plus 1,6 Prozent) überdurchschnittlich profitieren, insbesondere deshalb, weil die Milcherzeugung tendenziell leicht nach Nordwestdeutschland wandert.

Die Auszahlungspreise für Milch (3,7 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß) sind gegenüber dem Vorjahr um rund sechs Cent auf annähernd 30 Cent gestiegen. Abweichungen zwischen den Molkereien ergaben sich durch erhebliche Unterschiede bei den einzelnen Verwertungen der Milch. „Wir wünschen uns alle, dass sich das Bewusstsein beim Verbraucher für den Wert der Milch festigt – und wissen zugleich, wie abhängig wir von unseren Chancen am Weltmarkt sind“, so Pfeifer. Der Schritt zum Deutschen Milchkontor sei angesichts dessen folgerichtig und zukunftsweisend.

Obst-, Gemüse- und Gartenbau

Mit einem Umsatz von 2,1 Milliarden Euro konnten die Obst-, Gemüse- und Gartenbaugenossenschaften ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 10,3 Prozent steigern. Der Obst- und Gemüsebereich war durch ein geringeres Angebot aufgrund von geringeren Erträgen und auch geringeren Anbauflächen bestimmt. Die Erzeugerpreise konnten daher, zum Teil deutlich, nach oben angepasst werden.

Weinwirtschaft

Die 13 Winzergenossenschaften im RWGV-Gebiet erwirtschafteten einen Umsatz von 87,5 Millionen Euro (plus 5,4 Prozent). Pfeifer: „Die Umsatzsteigerungen sind die Folge einer strengen Qualitätsorientierung in den Winzergenossenschaften. Kleine Ernten in den Jahren 2009 und 2010 – bei hervorragenden Qualitäten – haben Preissteigerungen ermöglicht. Das Jahr 2011 startet spannend, da Fröste zusätzliche Ungewissheit bezüglich möglicher Erträge hervorgerufen haben.“ Für dieses Jahr erwarten die Kellermeister aufgrund des zu kalten und zu trockenen Frühjahrs ganz sicher keine Mengensteigerungen gegenüber den Vorjahren“, so Pfeifer.

Die 171 landwirtschaftlichen Genossenschaften im RWGV gehören ihren 122.553 Mitgliedern und sind für 18.981 Menschen ein verlässlicher Arbeitgeber.

Genossenschaftsverbände kooperieren

„Die Kooperation unseres Verbandes mit dem Genossenschaftsverband Bayern, dem Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband und dem Genossenschaftsverband Weser-Ems ist erfolgreich angelaufen“, erläuterte Pfeifer. „Bei einer ganzen Reihe von Themen aus den Bereichen Prüfung, Beratung, Bildung und Interessenvertretung wird bereits intensiv zusammengearbeitet. Dabei zeigt sich: In kürzester Zeit ist es gelungen, die vorhandenen Ressourcen der Kooperations-Verbände erfolgreich zu bündeln – zum Wohle der Mitglieder, zur Koordinierung der Verbandsinteressen gegenüber Dritten und zur Bearbeitung von Themen, für die bislang an der einen oder anderen Stelle Zeit und Personal fehlten. Deshalb kann ich schon jetzt sagen: Der eingeschlagene Weg ist der richtige. Darin bestärken mich nicht zuletzt eine ganze Reihe zustimmender Zurufe aus dem genossenschaftlichen Verbund. Denn: Der genossenschaftliche Verbund ist seit 150 Jahren ein Musterbeispiel für erfolgreiche Kooperation.“

Die Pressemitteilung zum Download (PDF)


Im RWGV haben sich 645 Unternehmen zusammengeschlossen, die rund 2,8 Millionen Mitgliedern gehören. Hierzu zählen 202 Kreditgenossenschaften mit einer Bilanzsumme von 171 Milliarden Euro, 171 landwirtschaftliche Warengenossenschaften mit einem Umsatz von 18,2 Milliarden Euro sowie 272 gewerbliche Dienstleistungs- und Handelsgenossenschaften mit einem Umsatz von 8,1 Milliarden Euro. Damit ist die Genossenschaftsgruppe die mitgliederstärkste Wirtschaftsorganisation in der Region. Der RWGV steht als Prüfungs-, Beratungs- und Betreuungsverband im Dienste seiner Mitgliedsgenossenschaften und vertritt ihre Interessen.


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