Nachhaltige Genossenschaft: Eingebauter Wettbewerbsvorteil
12.05.2011Münster. Die landwirtschaftlichen Genossenschaften in Rheinland und Westfalen folgen mit leistungsfähigen Strukturen den Anforde-rungen einer bäuerlichen Landwirtschaft auf Wachstumskurs. Darauf wies Johann Prümers, Vorsitzender der Fachvereinigung der landwirt-schaftlichen Genossenschaften im Rheinisch-Westfälischen Genos-senschaftsverband (RWGV)/Münster anlässlich des Jahrespressegesprächs des Verbandes in Münster hin. Das gelte nicht allein für prominente Beispiele in der Milchwirtschaft. Auch bei den klassischen Bezugs- und Absatzgenossenschaften sei dieser Trend zu verzeichnen. So nahm in den zurückliegenden fünf Jahren die Zahl der Bezugs- und Absatzgenossenschaften mit einem Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro um 55 Prozent auf insgesamt 14 Unternehmen zu. Unter diesen Unternehmen sind drei mit einem Umsatz von über 100 Millionen Euro. Die Zahl der Unternehmen mit Umsätzen zwischen zehn und 50 Millionen Euro reduzierte sich um 31 Prozent auf jetzt 33 Unternehmen, die Gruppe der kleineren Einheiten bis zehn Millionen Umsatz ging von 40 auf 24 zurück (minus 40 Prozent). Auch wenn der Trend zur Größe unverkennbar sei, gebe es keine ‚optimale Betriebsgröße’. „Die Größe der Genossenschaft folgt den Anforderungen der Mitglieder. Sie entscheiden über ihr Unternehmen“, so Prümers. Die dazu notwendigen Fusionen reduzierten die Zahl der Bezugs- und Absatzgenossenschaften in den letzten fünf Jahren von 97 auf 71 zum Jahresschluss 2010. „Dieser Prozess der Anpassung an die Märkte wird unser ständiger Begleiter bleiben“, so Prümers.
Umso wichtiger sei es angesichts dieser bedeutungsvollen Aufgabe der Strukturbegleitung, dass der RWGV als Regionalverband nah bei seinen Mitgliedern bleibe. In diesem Zusammenhang wies Prümers auf die Vorteile der Verbändekooperation des RWGVs mit den Genossenschaftsverbänden in Bayern, Weser-Ems und Baden-Württemberg aus Sicht des Ehrenamtes hin. „Für uns ist zentral, dass wir die Verantwortung und Entscheidungsfindung in der Region be-lassen und zugleich die Vorteile der Zusammenarbeit nutzen“, so Prümers.
Es gelte überdies, so Prümers, die Vorteile der genossenschaftlichen Rechtsform selbstbewusst herauszustellen. Prümers warb dafür, sich mit den zentralen Vorteilen der Rechtsform wieder intensiver auseinanderzusetzen. So wies er auf die Nachhaltigkeitsaspekte der genossenschaftlichen Rechtsform hin. „Neben allen Nachhaltigkeitsbemühungen, die man in der Produktion, in Logistik und Beschaffung anstellen kann, müssen wir unseren zentralen Wettbewerbsvorteil viel stärker kommunizieren: Die genossenschaftliche Rechtsform an sich ist durch ihren Förderauftrag, durch die Identität von Kunde und Eigentümer nachhaltig. Die Genossenschaft bindet die Kenntnisse und Wünsche der Menschen vor Ort systematisch und kooperativ ein.“ Dieser Kooperationsansatz mache die Rechtsform besonders beständig und robust. „Die Nachhaltigkeit der Rechtsform Genossenschaft ist unser eingebauter Vorsprung vor allen Wettbewerbern an-derer Rechtsformen. Das kann keiner kopieren“, so Prümers.
Die Pressemitteilung zum Download (PDF)
Im RWGV haben sich 645 Unternehmen zusammengeschlossen, die rund 2,8 Millionen Mitgliedern gehören. Hierzu zählen 202 Kreditgenossenschaften mit einer Bilanzsumme von 171 Milliarden Euro, 171 landwirtschaftliche Warengenossenschaften mit einem Umsatz von 18,2 Milliarden Euro sowie 272 gewerbliche Dienstleistungs- und Handelsgenossenschaften mit einem Umsatz von 8,1 Milliarden Euro. Damit ist die Genossenschaftsgruppe die mitgliederstärkste Wirt-schaftsorganisation in der Region. Der RWGV steht als Prüfungs-, Beratungs- und Betreuungsverband im Dienste seiner Mitgliedsgenossenschaften und vertritt ihre Interessen.
