„Keine dröge Veranstaltung“

06.09.2010

GFS eG feiert 40-jähriges Bestehen.

Coesfeld. Dass die Genossenschaft zur Förderung der Schweinehaltung (GFS) nicht nur feste arbeiten, sondern auch Feste feiern kann, bewiesen Mitglieder, Mitarbeiter und Geschäftsführung eindrucksvoll am Dienstag, 31. August, auf der Freilichtbühne Coesfeld. Grund zu feiern gab es allemal: Auf immerhin 40 Jahre erfolgreiche Arbeit kann die GFS in diesem Jahr zurückblicken. Genau am 28. August 1970 wurde das Unternehmen als zentrale Organisation der Schweinebesamung in Westfalen gemeinsam von Landwirten, Zuchtverbänden, Erzeugerringen, Beratungs- und Rinderbesamungsorganisationen gegründet. Anlass für die GFS, die sich in vier Jahrzehnten eine Spitzenposition in der Branche erarbeitet hat und die in Westfalen, im Rheinland, in Niedersachen und in Sachsen-Anhalt fünf Besamungsstationen an mehreren Standorten betreibt, den runden Geburtstag mit hochkarätigen Gästen aus der Landesregierung gebührend zu würdigen und im Kreise der Kunden, Mitglieder, Geschäfts- und Kooperationspartner sowie Mitarbeiter mit einem unterhaltsamen Programm zu feiern.

„Eine dröge Veranstaltung wird es nicht“, meinte Moderatorin Steffi Neu bei ihrer Begrüßung. Dabei hatte die bekannte WDR-Journalistin wahrlich nicht zu viel versprochen. Locker, unterhaltsam und informativ führte die Bauerntochter vom Niederrhein durchs abwechslungsreiche Programm, das mit dem Ethnokabarett-Auftritt der „Bullemänner“ unzweifelhaft seinen Höhepunkt hatte.

Zuvor hatte Vorstandsvorsitzender Paul Hegemann die über 750 Gäste auf der Freilichtbühne Coesfeld begrüßt und die Unternehmensgeschichte Revue passieren lassen. Einen Rückblick auf die GFS-Geschichte aus Sicht der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen gab anschließend Kammerpräsident Johannes Frizen. Nach dem „nicht ganz so einfachen“ Start habe sich die GFS hervorragend entwickelt und sei heute mit „Frauenpower an der Spitze“ und 90 Prozent Marktanteil in NRW auf einem guten Weg. „Alles Gute zum Geburtstag und den Verantwortlichen weiterhin eine glückliche Hand“, wünschte Johannes Frizen abschließend. In einer Talkrunde gaben Annette Niggemeyer, Meike Friedrichs, Bernhard Finke, Josef Brüninghoff, Dr. Friedrich-Wilhelm Hottelmann und Bernhard Stenmans über ihre Arbeit und Ziele Auskunft. Mit Kurzdarbietungen glänzte die Gesangs- und Tanzgruppe der Freilichtbühne. Für die musikalische Untermalung sorgte das Saxophonquartett „Saxgeflüster“. Der Eintritt war frei. Die GFS bat die Gäste allerdings um eine Spende zugunsten der Ländlichen Familienberatung im Bistum Münster.

Vorsprung für Vererber
Die Gründungsväter hatten vor vierzig Jahren vor allem eines im Sinn: Landwirten sollte in Westfalen eine zentrale Schweinebesamungsorganisation zur Verfügung stehen, die als Dienstleister Spitzenvererber anbietet. Sie sollte dafür sorgen, dass Schweine auf dem Markt sind, die beste Leistungen bringen und die damit den Ferkelerzeugern und Schweinemäster ein ausreichendes Einkommen sichern und den Verbrauchern eine hochwertige Fleischqualität garantieren.
Dieser Anspruch, sich in erster Linie den Bauern verpflichtet zu fühlen, ist geblieben. Die Genossenschaft wird von den rund 8100 Mitgliedern getragen und orientiert ihre Unternehmensaktivitäten am Erfolg der Bauern. Zu den Bausteinen gehört die strikte Ausrichtung an der Qualität: Das Top-Genetik-Programm mit einer strengen Leistungsprüfung und Selektion der Eber ist seit mehr als 20 Jahren fest etabliert und hat bundesweit Maßstäbe gesetzt. Keine andere Besamungsorganisation stuft ausschließlich das leistungsgeprüfte obere Drittel der Eber in die Top-Genetik-Klasse ein und sortiert leistungsschwache Eber so kompromisslos aus. Die GFS lässt sich das jedes Jahr rund eine Viertelmillion Euro kosten, den Bauern kommt die systematische Eberselektion zugute. Der hohe Qualitätsanspruch zeigt sich beispielsweise auch in einem konsequenten Hygiene-und Gesundheitsmanagement auf den Besamungsstationen, in der sorgfältigen Kontrolle der Spermaportionen im Labor oder beim Scannerservice, mit dem die Trächtigkeit der Sauen festgestellt wird. Als absolut neutraler Dienstleister hat die GFS Eber von 19 unterschiedlichen Zuchtorganisationen im Angebot. Landwirte können derzeit unter rund 2000 Ebern die für ihre Sauen passenden Eber auswählen. Wegweisend beteiligt sich die GFS auch an innovativen Forschungsvorhaben: So errechnet die GFS seit Kurzem für jeden Eber einen eigenen Erbfehlerzuchtwert. Dieser soll verhindern, dass Eber im Einsatz sind, deren Nachkommen gehäuft Erbfehler aufweisen. Allein aus Tierschutzgründen ist das sinnvoll. Derzeit wird in Zusammenarbeit mit der Wissenschaft an Projekten zur Vererbung des Ebergeruchs oder der Vitalität der Saugferkel sowie zur genomischen Selektion gearbeitet. 

Weiterbildung und Service
In Praktikertreffen, Vortragsveranstaltungen und thematischen Schulungen beispielsweise zum Besamungsmanagement, zu Hygiene und Gesundheit oder Fruchtbarkeit bietet die GFS, oft in Zusammenarbeit mit Landwirtschaftskammer, Erzeugerringen, Tierärzten, Futtermittelfirmen und Zuchtunternehmen ihren Mitgliedern ein großes Weiterbildungs- und Beratungsangebot.
Ob Overall, Besamungspipette oder Hochdruckreiniger: Alles, was der Tierhalter an Zubehör auf einem Betrieb braucht, kann er über die GFS Top-Animal-Service GmbH beziehen, eine Tochter der Genossenschaft. Rund 1400 unterschiedliche Produkte vertreibt der GFS-Shop und hat damit allein im Jahr 2009 rund 4,3 Mio. Euro Umsatz gemacht. Ein Service, den die Bauern gerne nutzen und der für steigenden Umsatz sorgt.
Aber auch im angestammten Feld der Besamungen präsentiert sich die GFS als wirtschaftlich solides Unternehmen mit wachsendem Umsatz: Mit dem Verkauf von rund 3,3 Mio. Tuben Ebersperma im vergangenen Jahr konnte ein Umsatz von 11,3 Mio. Euro realisiert werden, rund 5,5 Prozent mehr als 2008. Und auch im ersten Halbjahr 2010 hat sich dieser Trend fortgesetzt. Ein Grund mehr zum Feiern.

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