Kooperation RWGV und GVB

„Mehrwert für unsere Mitglieder schaffen“

Was ist das Ziel der Kooperation zwischen RWGV und GVB?

Pfeifer: Durch die Kooperation sollen die Leistungen für unsere Mitglieder optimiert werden. Das heißt: wir wollen günstiger und besser werden. Wir bleiben aber ein dezentraler und regionaler Verband.

Götzl: Das kann ich nur unterstreichen. Für uns steht an erster Stelle, Mehrwert für unsere Mitglieder zu schaffen. Das geschieht unter der Prämisse, auch für die Zukunft Dezentralität, Regionalität und Mitgliedernähe zu sichern.

Wo haben beide Verbände gemeinsame Interessen?

Götzl:
Die ersten Arbeitsgespräche haben sehr deutlich gezeigt: Die Verbände denken und handeln in einer ganzen Reihe von Tätigkeitsfeldern in identischer Weise. Das gilt in gleichem Maße für die Interessenbereiche Verbund, Öffentlichkeit, Presse und Politik. Hier wollen wir unsere Durchschlagskraft in der Wahrnehmbarkeit über das im jeweiligen Verband erreichte Maß hinaus erhöhen. Das wird am Ende die Position unserer Mitglieder verbessern. Davon bin ich fest überzeugt.

Pfeifer: Beide Verbände zeichnet eine konsequente Mitgliederorientierung aus. Wir wollen nah dran sein, an unseren Genossenschaften. Gleichzeitig haben beide Verbände einen ausgeprägten Gestaltungswillen, dieser setzt eine gewisse Größe und auch Stärke voraus. Die Herausforderung besteht nun darin, zwischen Größe und erforderlicher Dezentralität auszutarieren. Und zwar so, dass sich jedes einzelne Mitglied nach wie vor aktiv einbringen kann.

Sehen Sie Potenziale für Kosteneinsparungen?

Pfeifer: Wir sehen Potenziale für betriebswirtschaftliche Effizienz. Diese Effizienz wird mittelfristig auch zu Kosteneinsparungen führen. Die Kosteneinsparung steht aber gar nicht im Zentrum unserer Kooperation: Wir wollen vor allem die Leistung beim Mitglied weiter verbessern.

Götzl: Völlig richtig. Die Basis ist der Erfahrungsaustausch. Die Fortsetzung ist das genaue Überprüfen dessen, was der jeweils andere macht, um schließlich das zu definieren, was wir von einander lernen können. Der gemeinsame Fundus ist groß und entsprechend auch das Potenzial, Kostensynergien zu heben. Das ist jetzt schon absehbar. Wir können die Arbeitsteiligkeit erhöhen, durch konzentrierte Grundlagenarbeit Geld sparen sowie Doppelkosten bei gemeinsamen Projekten und Aktivitäten vermeiden. Mittelfristig wird so der Kosten- bzw. Ertragsaspekt die grundsätzlichen Ziele der Kooperation positiv ergänzen.

Was ändert sich durch die Verbändekooperation für die Mitglieder?

Pfeifer: Im direkten Kontakt zu ihrem Verband und ihren gewohnten Ansprechpartnern wird sich für die Mitglieder nichts ändern. Dezentralität und regionale Verankerung sind die Leitplanken dieser Kooperation. Mittelfristig wollen wir für unsere Mitglieder natürlich günstiger werden und unsere Dienstleistungen qualitativ verbessern. 

Götzl: Das ist aus meiner Sicht entscheidend. Denn Verbände sind kein Selbstzweck. Auch Genossenschaftsverbände nicht. Neben dem klaren Auftrag zur genossenschaftlichen Prüfung werden wir davon geprägt, dass wir immer auch ein Dienstleistungsverband für unsere Mitglieder sind. Deshalb wird sich an erster Stelle ändern, dass wir durch die Kooperation die Serviceleistungen im Umfang ausbauen und in der Qualität weiter steigern können. An zweiter Stelle werden wir mit Sicherheit durch die Bündelung der Kräfte von RWGV und GVB auch bei allen Adressaten der Mitgliederinteressen an Durchschlagskraft gewinnen. Und Drittens: All das erreichen wir für unsere Mitglieder, ohne dass sie auf Nähe zu ihrem Verband verzichten müssen.

Was bedeutet die Zusammenarbeit von RWGV und GVB für den genossenschaftlichen Verbund?

Pfeifer: Wir gehen mit dem BVR gemeinsam unseren Weg einer abgestimmten und arbeitsteiligen Zusammenarbeit – dort die Konzeption, hier die Umsetzung. Dies war im Rahmen der Kompassveranstaltung im Oktober 2009 unmittelbar erlebbar. Auch die Verbindlichkeit der unterstützenden Zusammenarbeit mit dem DGRV durch den RWGV – auch im Einklang mit den anderen Regionalverbänden – hat eine klarere Fixierung erhalten.

Götzl: Keine Frage. Wir werden uns künftig eng abstimmen, was die Vorbereitung von Verbundterminen angeht. Das hilft uns, die Stimmen der Mitglieder aus beiden Verbandsgebieten im Verbund zu einen. Ein Blick auf die genossenschaftliche Landkarte in Deutschland unterstreicht dabei deutlich: Dies wird eine starke Stimme sein.

Wie sieht der Zeitplan für die Kooperation aus?

Götzl: Arbeitsgruppen beider Verbände sind dabei, die Kooperationsfelder und ihre Inhalte abzustecken. Insbesondere was die Gremienarbeit im Verbund oder Presseaktivitäten angeht, sind wir bereits erfolgreich in der engen Abstimmung. Darüber hinaus sind kurzfristige Umsetzungsziele bis Sommer definiert.

Pfeifer: Sie sehen, wir gehen zügig voran. Zum Jahresschluss 2010 wollen wir die Kooperation in ihrer vollen Breite in die Umsetzung gebracht haben. Für den RWGV bedeutet das auch die Verwirklichung unseres auf Kooperation angelegten Geschäftsmodells.

Können denn auch andere Genossenschaftsverbände an der Kooperation teilnehmen?

Götzl: Die Kooperation ist bewusst offen gestaltet. Das ist das prägende Moment unserer Zusammenarbeit. Wir sind offen für weitere Mitstreiter und wir wollen das auch bleiben. Es freut uns deshalb sehr, dass es aus dem Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband und dem Genossenschaftsverband Weser-Ems Signale gibt, sich dieser Kooperation anzuschließen und sie dann zu einer starken Süd-West-Kooperation zu erweitern.

Was unterscheidet – aus Sicht der Mitglieder – die Arbeit von mehreren kooperierenden mittelgroßen Verbänden von der eines großen?

Pfeifer: Getreu dem genossenschaftlichen Subsidiaritätsprinzip sollten Dinge auf der kleinstmöglichen Ebene entschieden werden. Das hat gute Gründe: Die genossenschaftliche Selbstverwaltung wollen wir auch in den Verbänden ernst nehmen. Dazu braucht es eine gewisse Übersichtlichkeit, verbunden mit Identifikation und echten Gestaltungsmöglichkeiten. Die nehmen bei zunehmend großen Einheiten ab. Überdies können kooperierende Einheiten auch kostengünstiger sein: Skaleneffekte lehrt uns die betriebswirtschaftliche Theorie, die Erfahrung lehrt oft etwas anders: Nähe bringt immer einen gesunden Rechtfertigungsdruck mit sich, der bei abstrakten, zentralistischen Einheiten weit weniger gespürt wird.  Wir wollen deshalb gar nicht die Größten sein, wir wollen unseren Mitgliedern am Nächsten sein.

Götzl: Herr Pfeifer hat das exakt auf den Punkt gebracht. Wir geben mit der Kooperation eine klare Antwort auf die Diskussion im deutschen Genossenschaftswesen um die künftige Gültigkeit der genossenschaftlichen Grundprinzipien Dezentralität und Regionalität. Wir sind uns einig, dass diese Strukturprinzipien unter den Rahmenbedingungen des 21. Jahrhunderts weiterentwickelt werden müssen. Dabei ist uns aber ein gemeinsames Anliegen, auch weiterhin die uns prägende genossenschaftliche Identität zu gewährleisten. Und das geht nur, wenn wir nah bei unseren Mitgliedern bleiben, ihnen aber zugleich spürbaren Mehrwert durch zeitgemäße und tragfähige Verbändestrukturen bieten.

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