Genossenschaft als Rechtsform

Gemeinsam mehr erreichen – das geht als Genossenschaft besonders gut. Und besonders sicher. Dafür sorgt das Genossenschaftsgesetz. Das Genossenschaftsgesetz nennt auch präzise den einzigen Zweck, den jede „eingetragene Genossenschaft“ (Kurzform: eG) an erster Stelle zu erfüllen hat: Sie fördert „den Erwerb oder die Wirtschaft ihrer Mitglieder oder deren soziale oder kulturelle Belange durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb“.

Das im Jahr 1889 erstmals in Kraft getretene und seitdem ständig modernisierte Genossenschaftsgesetz regelt auch, dass eine Genossenschaft aus Mitgliedern, Aufsichtsrat und Vorstand aufgebaut sein muss. Es verlangt auch, dass die Mitglieder in einer Satzung festschreiben, wie sie Einfluss nehmen wollen auf ihr Unternehmen. Das kann zum Beispiel per Generalversammlung sein.

Die Genossenschaft ist – unabhängig von der Verfolgung weitergehender Ziele – ein wirtschaftliches Unternehmen und kann seit der Novelle des Genossenschaftsgesetzes im Jahr 2006 von mindestens drei Mitgliedern gegründet werden. Sie wird geprägt durch die Grundsätze der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung. Eingetragen wird jede Genossenschaft in das Genossenschaftsregister des jeweiligen Amtsgerichts. Jede Genossenschaft wird von Anfang an von einem genossenschaftlichen Prüfungsverband betreut. Die Spezialisten des Verbandes unterstützen zum Beispiel die Gründung des Kooperationsunternehmens. Der RWGV ist einer dieser Prüfungsverbände.

Im Unterschied zur Gesellschaft mit beschränkter Haftung (dort 25.000 Euro) oder zur Aktiengesellschaft (dort 50.000 Euro) muss die eG bei ihrer Gründung kein bestimmtes Mindestkapital vorweisen. Sie kann dies jedoch in der Satzung festschreiben. Eine notarielle Beurkundung der Gründung ist nicht erforderlich. Es fallen daher im Gegensatz zur Gründung einer AG oder GmbH keine Notarkosten an. Die Genossenschaft hat aber die Aufgabe, dem zuständigen Verband und dem Registergericht den Nachweis zu erbringen, dass das aufgebrachte Eigenkapital für den verfolgten Zweck ausreichend ist.

Kooperationen in Form von Genossenschaften gibt es bereits seit dem Mittelalter. Gründungsvater der modernen Genossenschaftsbewegung in Deutschland sind unter anderem Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch, die Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Kooperations- und Solidaritätsgedanken die damals herrschenden sozialen Probleme angingen. Es entstanden unter anderem Kreditgenossenschaften, landwirtschaftliche Genossenschaften, Einkaufs- und Absatzgenossenschaften des Handels und des Handwerks sowie Wohnungsbaugenossenschaften.

Durch ihren demokratischen Charakter und ihre besonderen Werte sind genossenschaftliche Unternehmen in Wirtschaft und Gesellschaft auch heute ein bedeutender Faktor. Jeder vierte Deutsche profitiert von ihnen als Mitglied. Weltweit gibt es 700 Millionen Genossenschaftsmitglieder. Und: Die Genossenschaftsidee wurde bei der UNESCO für die Internationale Liste des Immateriellen Kulturerbes nominiert.

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