30. März 2017 Kleine Banken können wichtige Antworten für die Zukunft liefern

Düsseldorf. Kleine Banken werden bei den Bürgern immer beliebter. Um zukunftsfähig zu bleiben, brauchen sie aber die passenden Rahmenbedingungen. Das bekräftigte der Rheinisch-Westfälische Genossenschaftsverband anlässlich des Jahrespressegesprächs der Kreditgenossenschaften in Rheinland und Westfalen am Montag in Düsseldorf. „Überbordende regulatorische Anforderungen sind auch ein Grund für die Fusionswelle unter Volksbanken und Raiffeisenbanken. Deswegen ist es höchste Zeit, die bürokratische Bürde kleiner Kreditinstitute zu erleichtern.“ Das forderte der RWGV-Vorstandsvorsitzende Ralf W. Barkey. „Daher begrüße ich die aktuelle politische Diskussion über eine 'Small and Simple Banking Box' mit regulatorischen Erleichterungen speziell für kleine, risikoarme Kreditinstitute. Angestoßen wurde diese Diskussion unter anderem von Bundesbankvorstand Andreas Dombret“, so Barkey.

Der RWGV-Vorstandschef verwies auf die hohe volkswirtschaftliche Bedeutung kleiner, regionaler Banken. „Gemessen an ihrer Größe vergeben Genossenschaftsbanken in Deutschland mehr als doppelt so viele Mittelstandskredite wie der Durchschnitt der Bankenbranche“, betonte Barkey. „Jede Stärkung der Volksbanken und Raiffeisenbanken ist somit auch eine Stärkung der regionalen Wirtschaft.“

Auch die Bürger erkennen immer mehr den Wert kleiner, regionaler Kreditinstitute, wie RWGV-Vorstand Siegfried Mehring unterstrich. Laut einer 2016 durchgeführten Umfrage der Beratungsgesellschaft Brunswick seien kleine Banken in Deutschland und Frankreich die mit Abstand beliebteste Kategorie von Kreditinstituten – deutlich vor Groß- und Auslandsbanken. Und auch in Großbritannien bevorzuge fast die Hälfte der Bürger kleine, regionale Banken.

„Trotz guter Imagewerte bleiben aber auch die Volksbanken und Raiffeisenbanken nicht stehen, sondern sie stellen sich auf Digitalisierung und verändertes Kundenverhalten ein“, bekräftigte Mehring. Dem trage die genossenschaftliche Finanzgruppe Rechnung – beispielsweise mit der kontinuierlich weiterentwickelten VR-Banking-App, über die Kunden via Handy ihre Kontostände und Kreditkartenumsätze abrufen,  Überweisungen tätigen und Rechnungen per Scan bezahlen können. Auch die Bedeutung von Paydirekt, dem Online-Bezahlverfahren, das die Genossenschaftsbanken gemeinsam mit anderen Bankengruppen in Deutschland gestartet haben, hob Mehring hervor. „Paydirekt hat unter anderem in Sachen Datenschutz Vorteile gegenüber etlichen Konkurrenzangeboten. Ich bin überzeugt, dass für Kunden auch bei Online-Transaktionen das Thema Privatsphäre immer wichtiger wird“, erklärte der RWGV-Vorstand.

Damit Genossenschaftsbanken weiterhin Antworten auf wichtige Fragen der Zukunft liefern können, sei aber auch ein angemessener regulatorischer Rahmen erforderlich, so Mehring weiter. Insbesondere ein hoher bürokratischer Aufwand bremse die Institute. Als Beispiel nannte der RWGV-Vorstand die diesjährige Niedrigzinsumfrage von Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und Bundesbank sowie eine parallele Abfrage der Europäischen Zentralbank (EZB).

Bei alldem dürfe man nicht vergessen, dass kleinere, regionale Kreditinstitute wie die Volksbanken und Raiffeisenbanken die Finanzmarktkrise nicht verursacht haben, so Mehring. „Auch deswegen sollten wir dringend über regulatorische Erleichterungen für diese Gruppe von Kreditinstituten nachdenken.“