7. April 2017 Bargeldgebühren: absurde Debatte

Morgens beim Bäcker: Frau Meier kauft zwei Brötchen für 98 Cent. Herr Müller bittet um zwei Brötchen, drei Teilchen und ein Vollkornbrot. Er zahlt dafür 7,47 Euro. Und Herr Schuster erklärt, er habe beim Bäcker gegenüber die Brötchen gekauft, wolle nun aber noch zwei Stück Torte haben. Bei ihm werden 5 Euro kassiert. Ein zufällig anwesender Journalist des örtlichen Boulevardmagazins titelt am nächsten Tag: „Abzocke beim Bäcker“. Seriöse Zeitungen springen auf das Thema und diskutieren die unterschiedlichen Preismodelle deutscher Bäckereien. In den sozialen Medien regt man sich auf, dass Herr Müller mehr als Frau Meier und Herr Schuster überhaupt etwas zahlen muss.

Ein absurdes Szenario? Nein. So in etwa verläuft die öffentliche Debatte um Preis- und  Kontomodelle von Banken in Deutschland. Zugegeben: Anders als in Bäckereien hat sich das Konsumverhalten von Bankkunden in den letzten Jahren nachhaltig verändert. Es hat sich deutlich ausdifferenziert.

Früher stimmte das Nutzerverhalten weitgehend überein: Menschen hatten ein Girokonto, zahlten mit Bargeld und wickelten mit ihrer Bank in ihrem Lebenszyklus alle erforderlichen Bankgeschäfte ab. Heute zahlen viele Menschen, vor allem Jüngere, fast ausschließlich bargeldlos, brauchen also eine deutlich geringere Bargeldversorgung. Der mündige Kunde vergleicht Preise und Konditionen und wickelt seine Bankgeschäfte mit unterschiedlichen Dienstleistern ab. Einige handeln zu Hause am Computer selbst mit Aktien, andere bevorzugen das Fondssparen.

Hinzu kommt ein wachsender Wettbewerb. Die Deutsche Bundesbank nimmt deutlich höhere Gebühren für die Bargeldbearbeitung und die Kosten für die Sicherheit von Geldausgabeautomaten steigen. Und dann gibt es da noch die Bankenaufsicht, die von den Banken mehr Ertragskraft fordert und der Quersubventionierung von Leistungen kritisch gegenübersteht.

Und nun machen unsere Genossenschaftsbanken das, was in anderen Branchen, zum Beispiel bei Bäckern, seit Jahrhunderten normal ist: Sie differenzieren ihre Angebote. Die Empörung darüber ist mehr als ärgerlich, nicht nur, weil sie ungerechtfertigt ist. Vor allem auch deshalb, weil wir in Deutschland einen funktionierenden Bankenwettbewerb haben, der günstige Konditionen sichert. Um das zu erkennen, hilft der Blick ins Ausland. Die Neue Zürcher Zeitung stellte am 4. April fest: „Doch gilt das Land [Deutschland, Anmerkung des Autors] weiterhin als „over-bankend“. Die Kunden freut’s.“ Und: „… doch die Kunden dürfen sich im Vergleich mit anderen Ländern über niedrige Gebühren freuen."

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