30. März 2017 Genossenschaftsbanken in Rheinland und Westfalen gewinnen Marktanteile

Düsseldorf. Die Kreditgenossenschaften in Rheinland und Westfalen haben ihr Kreditgeschäft 2016 erneut deutlich gesteigert und bei mittelständischen Firmenkunden weitere Marktanteile gewonnen. Der Bestand an Firmenkrediten stieg um 4 Prozent auf 77 Mrd. Euro, während der deutsche Gesamtmarkt laut Angaben der Bundesbank nur um 2,5 Prozent wuchs. „Die Nähe der Volksbanken und Raiffeisenbanken zur regionalen Wirtschaft hat sich damit 2016 erneut ausgezahlt – sowohl für die Kreditgenossenschaften als auch für ihre mittelständischen Firmenkunden“, erklärte Ralf W. Barkey, Vorstandsvorsitzender des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbands (RWGV), anlässlich des Jahrespressegesprächs der Kreditgenossenschaften in Rheinland und Westfalen am Montag in Düsseldorf.

Stark gefragt bei den RWGV-Mitgliedsbanken waren auch Immobilien- und andere Finanzierungen für Privatkunden. Deren Volumen erhöhte sich um 5,8 Prozent auf 50 Mrd. Euro. Unter dem Strich steigerten die 173 Kreditgenossenschaften in Rheinland und Westfalen – darunter neben den Volksbanken und Raiffeisenbanken auch GLS Bank, Kirchenbanken und andere genossenschaftliche Sonderinstitute – ihre aggregierte Bilanzsumme um 3,8 Prozent auf 207,6 Mrd. Euro und überschritten damit erstmals die Schwelle von 200 Mrd. Euro.

Im Berichtsjahr gewannen sie insgesamt 34.000 neue genossenschaftliche Mitglieder. Seit 2008, dem Jahr der Finanzmarktkrise, stieg die Mitgliederzahl der Kreditgenossenschaften in Rheinland und Westfalen um 350.000 auf nun 3,18 Millionen.

Bei den Kundeneinlagen verzeichneten die RWGV-Mitgliedsbanken 2016 einen Zuwachs um 4,9 Prozent auf knapp 150 Mrd. Euro. „Dies bestätigt, wie groß das Vertrauen in die Solidität der Genossenschaftsbanken ist“, erklärte Barkey. „Allerdings hat sich diese erfreuliche Entwicklung auch auf der Kostenseite niedergeschlagen. Denn für die kurzzeitige Verwahrung von Einlagen bei ihr verlangt die EZB seit einiger Zeit einen Zins. Dies hat dazu geführt, dass die Genossenschaftsbanken im RWGV 2016 insgesamt 5,9 Millionen Euro für Negativzinsen aufwenden mussten.“

Infolge dieses Aufwands sowie branchenweit allgemein rückläufiger Zinsmargen ging das Betriebsergebnis nach Bewertung 2016 um 3,5 Prozent auf rund 1,5 Milliarden Euro zurück, so vorläufige Zahlen des RWGV. „Durch Kostendisziplin, steigende Provisionserträge und eine entspannte Risikolage konnte der Rückgang der Zinsmarge teilweise aufgefangen werden“, berichtete Barkey. Ihre harte Kernkapitalquote stärkten die Institute von 17,6 auf 17,7 Prozent.

Allerdings seien die Herausforderungen infolge von Niedrigzins und zunehmender Regulatorik inzwischen so groß, dass immer mehr Kreditgenossenschaften nach Partnern suchten, um die Kosten zu senken und Ertragschancen besser auszunutzen, so Barkey weiter. 2016 fanden sieben Fusionen von RWGV-Mitgliedsbanken statt. Für 2017 sind 16 bis 20 weitere Zusammenschlüsse angekündigt. „Bis Ende 2017 wird somit die Anzahl an Genossenschaftsbanken in Rheinland und Westfalen um bis zu 15 Prozent zurückgehen“, berichtete Barkey.

Auf diese Entwicklung müssten sich auch die genossenschaftlichen Verbände einstellen, betonte der RWGV-Vorstandschef. „Auf der einen Seite haben wir in Rheinland und Westfalen weiterhin kleine Volksbanken und Raiffeisenbanken, die über hervorragende Marktpositionen verfügen und daher eigenständig bleiben wollen und können“, so Barkey. „Auf der anderen Seite entstehen durch die aktuelle Fusionswelle immer mehr größere Volksbanken und Raiffeisenbanken. Die kleinen Institute auf der einen Seite und die größeren Kreditgenossenschaften auf der anderen Seite haben sehr unterschiedliche Anforderungen an Prüfung, Beratung und Betreuung.“

Eine stärkere Differenzierung der Dienstleistungen sei deswegen ein zentrales Ziel der geplanten Fusion zwischen dem RWGV und dem Frankfurter Genossenschaftsverband, bekräftigte Barkey. Gemeinsam werden die beiden Verbände rund 430 genossenschaftliche Banken mit einer Bilanzsumme von insgesamt 414 Milliarden Euro vertreten. Gemessen an der Bilanzsumme wären damit rund 50 Prozent der genossenschaftlichen Primärbanken in Deutschland Mitglieder des fusionierten Verbandes. „Die infolge der Fusion erzielten Größenvorteile ermöglichen uns die Entwicklung von Prüfungs- und Beratungsdienstleistungen, die besser als bisher auf die jeweilige Bankengröße zugeschnitten sind“, erklärte Barkey. Auf dem Verbandstag am 26. April 2017 in Essen werden die RWGV-Mitglieder über die Verbändefusion abstimmen.

Doch nicht nur die Verbände, sondern auch die Bankenregulierer sollten auf die herausfordernde Situation der regionalen Kreditgenossenschaften reagieren, forderte Barkey. „Ein zentraler Grund, warum es für kleine Genossenschaftsbanken immer schwieriger wird, eigenständig zu bleiben, ist die überbordende Regulierung. Wir brauchen daher bei den regulatorischen Vorgaben und Meldepflichten dringend mehr Differenzierung zwischen großen und kleinen Instituten. Die derzeitigen politischen Diskussionen über eine 'Small and Simple Banking Box' sind ein guter Ansatz.“ (Siehe auch separate Pressemitteilung.)

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