19. Mai 2017 FinTech: Hype und Wirklichkeit

Das Schlagwort "FinTech" - gemeint sind neue Technologien und Geschäftsmodelle rund um Finanzdienstleistungen - ist in aller Munde. Kein Wunder: Immer mehr Menschen erledigen alltägliche Bankgeschäfte mit dem Computer oder Smartphone.

Bei vielen der hoch bejubelten FinTech-Startups muss man jedoch zwischen Hype und Substanz unterscheiden. Das bestätigt ein aktueller Artikel in "Die Zeit".

Wie dort zu erfahren ist, sind Firmenkredite, die über die Internetplattformen solcher Startups vergeben werden, üblicherweise nicht billiger als Bankkredite. Und wenn Finanzierungen dort manchmal besonders schnell bewilligt werden, liegt das daran, dass „FinTech“-Unternehmen nicht so streng reguliert und beaufsichtigt werden wie Banken.

Dass FinTechs und andere sogenannte „Schattenbanken“ in der Mehrheit von ungleicher Regulierung profitieren und nicht etwa von einer überlegenen Technologie, hat vor kurzem eine Studie der Columbia Business School in den USA bestätigt.

Dies zeigt mir: Wir brauchen dringend faire Spielregeln. Die überbordenden regulatorischen Belastungen für kleine, solide, regionale Banken müssen reduziert werden, damit auch diese genügend Freiräume haben, um Antworten für den digitalen Wandel zu finden. Andererseits müssen Regulierungslücken, durch die FinTech-Unternehmen die Finanzstabilität gefährden können, geschlossen werden.

Zudem dürfen wir nicht zulassen, dass uns die FinTech-Startups und ihre Verfechter „Mogelpackungen“ verkaufen. Ein Beispiel ist der Begriff „Crowdlending“. Hier wird der Eindruck erweckt, dass sich viele Einzelpersonen zusammentun, um Kredite an ein Unternehmen zu vergeben.

In Wirklichkeit aber werden Kredite von den Betreibern der „Crowdlending“-Plattformen immer häufiger direkt an Hedgefonds und andere internationale Großinvestoren weitergereicht. Dies ist in „Die Zeit“ nachzulesen, und es wird von einer Untersuchung der britischen Finanzaufsicht FCA bestätigt. Privatinvestoren kommen in solchen Fällen gar nicht zum Zuge.

Einige dieser FinTech-Geschäftsmodelle ähneln den Kreditverbriefungen, die zur Subprime-Krise führten. Solche Geschäftsmodelle können die Finanzmärkte intransparent machen und die Gefahr von Spekulationsblasen erhöhen.

Die Volksbanken und Raiffeisenbanken dagegen sind seit über 150 Jahren echte genossenschaftliche Selbsthilfeorganisationen, getragen von ihren Mitgliedern. Gerade auch während der Subprime-Krise haben sie ihre Solidität unter Beweis gestellt. Sie haben nicht nur auf riskante Geschäfte verzichtet und deswegen keine Staatshilfen benötigt, sondern sie haben auch auf der Höhepunkt der Krise ihre Kredite an mittelständische Unternehmen gesteigert. Gleichzeitig entwickeln die deutschen Genossenschaftsbanken ihre digitalen Angebote kontinuierlich weiter. Damit können sie in einem stabilen Finanzsystem der Zukunft eine noch größere Rolle spielen als heute.

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